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Der Beginn meiner Veränderung

Mein Leben als Medizinische Fachangestellte ist nun vorbei.  Ich darf endlich einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Ich bin jetzt  Tagesmama für ein besonderes Kind. 

Den Wunsch, einen besonderen Menschen zu betreuen habe ich seit ich den Film „Ziemlich beste Freunde“ gesehen habe. Es war so schön zu sehen wie diese besondere Freundschaft entstanden ist. Obwohl Anfangs ziemlich viele Zweifel in mir präsent waren, entstand zwischen mir und meinem kleinen Kämpfer genau diese Freundschaft. Er hat mir viel geschenkt, viel gezeigt und noch mehr bewusst gemacht. 

Dieses tiefe und innige Verhältnis haben wir mittlerweile seit fast 3 Jahren. Er ist ein Teil meines Lebens geworden und er hat sich tief in mein Herz geschlichen. 

Er hat in mir vieles verändert und mir dabei geholfen meine Kreativität wieder zu entdecken.  Durch seine Hilfe ist für mich Anfangs eine „verrückte Idee“ entstanden.

Eine verrückte Idee

Seit März 2017 trägt mein kleiner Kämpfer eine Magensonde. Nun bekommt er zur Unterstützung Nahrung durch die Sonde zugeführt.
Es war etwas ungewohnt in den ersten Tagen. Sowohl für ihn als auch für mich. Doch nach kurzer Zeit haben wir uns mit der Sonde angefreundet.

Bei der sogenannten „ künstlichen Ernährung“ fehlt der Kauvorgang, die Nahrung wird also mit Hilfe einer Nahrungspumpe direkt in den Magen geleitet. Dies muss natürlich langsam geschehen und somit war die Nahrungspumpe 3 Stunden am Stück angeschlossen. Da die Pumpe  transportabel ist, sind wir selbstverständlich in der Zeit auch spazieren gegangen und haben die Pumpe an er Kinderkarre befestigt . Das war alles kein Problem. Nur das eben alle Hilfsmittel die wir brauchten sichtbar waren, doch uns zwei störte das überhaupt nicht.

Doch je mehr und länger wir unterwegs waren, desto mehr fiel mir während unserer Spaziergänge auf, dass die Blicke vieler Menschen direkt auf die „ medizinischen Hilfsmittel „ fielen. Ich spürte in diesen Moment sofort eine Energie. Eine Energie des Mitleids. Das wollte ich unbedingt verändern. Ich wollte was erschaffen, was die Energie des Mitleids in eine Energie der Freude verwandelt. Ab diesen Moment veränderte sich alle. Wirklich alles!

Ich konnte Nachts nicht mehr richtig schlafen und tagsüber war ich irgendwie nicht mehr richtig bei mir, vor lauter Grübelei wie ich die Energie verwandeln kann.
Doch da kam der Moment, der Moment in dem sie entstand. Die verrückteste Idee, die ich je hatte.

Nähen

Warum ich die Idee Anfangs verrückt fand? Ich konnte noch nie in meinem Leben nähen. Ich bin Linkshänderin und habe es nie kapiert. Doch plötzlich schreit mein inneres ich immer lauter, das ich anfangen soll zu nähen. Ich ignorierte es. Doch nach kurzer Zeit hatte ich überhaupt keine Wahl. Weil meine innere Stimme immer lauter schrie. Es ging nicht anders, ich folgte diesem Ruf und fing endlich an mich vor eine Nähmaschine zu setzen. Ich konnte es einfach nicht mehr ignorieren. Tatsächlich habe ich es geschafft mich mit der Nähmaschine anzufreunden. Gemeinsam hatten wir sogar ziemlich viel Spaß und es entstanden tolle Kleidungstücke, mit denen ich meine komplette Familie erstmal eingedeckt habe. Selbst unsere Katze und unser Hund haben eine neue Decke für ihren Schlafplatz bekommen.

 

Meine Kreativität entfaltet sich

Nun ist es endlich soweit. Nach einigen Monaten in denen ich fleißig das Nähen üben konnte, darf  ich nun meiner Kreativität endlich freien Lauf lassen. Ich erinnere mich zurück an unsere Spaziergänge fühle mich erneut in die Energie ein die ich oft wahrnahm.

So entstand mein PEG Ranzen Set. Ich entwarf einen kleinen niedlichen Rucksack in dem der Nahrungsbeutel seinen Platz fand. Ich wählte einen bunten Kinderstoff, der so bunt und Farbenfroh war wie ein Regenbogen. Die Fertigung lief so erstaunlich gut, das ich gleich weiter meinen Ideen folgte. Ein weiteres besonderes Kleidungstück entstand. Mein speziell angefertigter Sondenbody. Zusätzlich zu der Öffnung unten im Windelbereich habe ich eine Knopfleiste eingearbeitet die über den ganzen Bauch führte. Außerdem noch zwei zusätzliche Laschen, die uns die Verstauung und das Reinigen der Sonde deutlich vereinfachten.

Nun war es an der Zeit, mein PEG Ranzen Set auszuführen. Ich wollte unbedingt Wissen ob ich eine Veränderung wahrnehmen kann. Tatsächlich hat sich etwas verändert. Die Blicke fielen zwar immer noch auf die medizinischen Hilfsmittel, doch veränderten sie sich und ich nahm ein Lächeln im Gesicht der Menschen war. Somit veränderte sich die Energie des Mitleids in eine Energie der Freude. Geschafft!!!!

Der Dortex Design Award

Um mir Tipps, Ideen und Anregungen zu holen bin ich bei Facebook in einigen Nähgruppen.  Eines Abends beim stöbern in diesen Gruppen stolperte ich über einen Bewerbungsaufruf für den Dortex Design Award.  Hier haben Kreative Menschen die Möglichkeit ihre Ideen und Werke in verschieden Kategorien zu präsentieren.

Als ich den Beitrag sah, war es höchste Eisenbahn, denn ich hatte nur noch ein paar Tage dann lief die Bewerbungsfrist ab. Also ganz schnell an meinen Schreibtisch gesetzt, mich online beworben und ein kleines Präsentationsviedeo zu meinem PEG Ranzen Set und der Funktionsweise gedreht. Einige Wochen später kam endlich ein Mail vom Dortex Team. Meine Güte was war ich aufgeregt.Doch was ich sah, als ich sie öffnete war wundervoll. 

Ich habe es geschafft. Ich bin eingeladen am Dortex Design Award teilzunehmen in der Kategorie „Best of kreative Innovation“ .
Ich brauchte einige Tage um es zu begreifen. Doch ich bin dabei.

Meine Handicap Dolls entstehen

Während der Herstellung meines PEG Ranzen Sets, wuchs in mir eine weitere geniale Idee. Nach langem recherchieren im World Wide Web ob es so etwas wie meine Idee schon gibt, bin ich nicht fündig geworden. 

Also lies ich auch hier meiner Kreativität wieder freien Lauf denn ich wollte mir die Chance meine Idee ebenfalls mit beim Dortex Design Award zu präsentieren nicht entgehen lassen. Ich besorgte mir alle Materialen die ich benötigte, schaute mir Tutorials  an und fertigte eine aller erste Puppe. Es ist nicht nur einfach ein Puppe. Es ist meine PEGgy. Eine Puppe mit Magensonde, genauso wie sie mein kleiner Kämpfer trägt. 

Ich hatte sie also geboren, meine erste Handicap Doll. Dank meines kleinen Kämpfers, der mich dazu ermutigt hat meiner Kreativität zu folgen ist sie entstanden und natürlich sollte PEGgy nicht die einzige Handicap Doll bleiben. Ich hatte eine Riesen Freude sie zu fertigen und eine mega Gänsehaut als ich sie das erste Mal in meinen Händen hielt, das ich beschloß weitere Puppen zu fertigen. 

Welche Handicap Dolls mittlerweile schon das Licht der Welt erblickt haben, erfahrt ihr in der Rubrik Puppengeschichten.

Warum die Welt meine Handicap Dolls braucht

Als ich meine PEGgy fertigte machte ich mir immer wieder Gedanken über unsere vorhandenen Puppen und allgemein über die Spielzeugwelt da draußen!

Es gibt eine Barbie die im Rollstuhl sitzt, eine Playmobilfigur die ein Gipsbein trägt doch das war es dann auch schon. Auch gibt es mittlerweile alle möglichen Gegenstände die wir uns nach Lust und Laune individualisieren lassen können. Angefangen bei der persönlichen Fototasse über das Mauspad bis hin zur  Handyhülle. 

Doch Puppen, individuell und einzigartig wie jedes einzelne Wesen, mit einem so wunderbaren pädagogisch wertvollen Hintergrund  und so wichtiges Spielzeug für unsere Kinder die gibt es nicht. Alle Puppen sind makellos und perfekt. Auch hier habe ich den großen Wunsch etwas zu verändern. Ich möchte mit meinem absoluten Herzensprojekt, mit meinen Puppen bewusst machen, das eben nicht immer alles perfekt ist, das niemand makellos ist .

Mit meinen Handicap Dolls lernen betroffene Kinder, sich leichter mit ihrem Handicap anzufreunden und auch, dass keine Mensch makellos ist, sondern das körperliche Einschränkungen genauso anerkennenswert sind und zu buntem Leben dazugehören. 

Nur durch die nötige Aufklärung verschwindet die Scheu!

Meine Puppen sind merk”würdig”

 Fühlt euch mal in eure Kindheit zurück gebeamt… hattet ihr nicht auch dieses EINE Kuscheltier… ein Schnuffeltuch oder eine Puppe ohne die gar nichts ging? 

 Diesen einen Freund an euere Seite der immer für euch da war und euch in besonderen Momenten begleitet hat?

 Genau dieser eine Freund, dürfen meine Puppen für unsere besonderen Wesen sein. Mit vielen Eigenschaften die sie selbst besitzen. Ganz individuell und einzigartig.

 Sie bekommen die gleich Augen und Haarfarbe und für mich das  allerwichtigste ist, dass ich jede Puppe mit genau dem Handicap, genau der Behinderung gestalten werde, von dem das Kind begleitet wird.

 Dabei spielt es fast keine Rolle welches Handicap es ist.

 Ob es eine Magensonde ist, Orthesen sind oder Kinder sind, die mit einem Herzfehler geboren sind. 

Meiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Ich werde alles so Detail getreu wie mögliche gestalten und auf die Puppe übertragen. So das quasi ein „Little Me“ , ein Doppelgänger in Miniformat existiert. Nun stellt euch vor, ihr haltet so ein kleines „Little Me“ Wesen in euren Händen.  Ein Freund der genauso ist wie ihr. Welch Bedeutung hat es für die weitere Entwicklung und das Selbstbewusstsein, meine Puppen zu besitzen?

Die Kinder spüren, das sie nicht mehr allein auf der Welt sind mit Ihren Handicap. Sie dürfen sich sicher und geborgen fühlen. Endlich ist jemand da der genauso ist wie sie selbst. Sie dürfen alle Gefühle und Emotionen wie Angst…Einsamkeit…Trauer…Freude und noch so vieles mehr mit ihrem kleinem „Little Me“ teilen. Gleichzeitig lernen die Kids von Anfang an sich leichter mit ihrem Handicap anzufreunden, es zu akzeptieren und sich mit ihren Selbst zu identifizieren. Plötzlich wächst das Selbstbewusstsein ganz automatisch. Wie wundervoll!

Natürlich unterstützen meine Puppen auch Kinder ohne Behinderungen. In naher Zukunft möchte ich mit meinen Handicap Dolls Kindergärten, Schulen,  Therapiezentren oder sonstige pädagogische Einrichtungen besuchen um auf spielerischer Weise Aufklärungsarbeit zu leisten. Eine Handpuppe/Klappmaulpuppe entsteht für diese Arbeit ebenfalls. Mit meinen „Therapeutischem Puppenspiel, kann ich den Kids vielleicht übermitteln, das kein Mensch makellos ist und das körperliche Einschränkungen zum Leben dazu gehören und es bunt machen. Nur durch Aufklärung ist eine Veränderung möglich, die genau jetzt so dringend nötig ist. Zu helfen, in einem Menschen dies Einstellung zu sich selbst zu verändern, verändert vielleicht nicht die ganze Welt. Doch für den einen Menschen und sein Umfeld verändert sich alles. Dafür gestalte ich mit viel Liebe und Herzblut meine wundervollen, individuellen und einzigartigen Handicap Dolls.